Ist Zucker schädlich für die Zähne und wenn ja, warum?

Zucker ist in unserer Gesellschaft ein heikles Thema. Während aus Gründen der Unterernährung die Eltern der Nachkriegsgeneration ihre Kinder nahezu anwiesen, viel Zucker zu essen, ist der Ruf des Nahrungsmittels eher negativ behaftet.
In verschiedenen Medien wird Zucker oft als Ursache für Diabetes, Übergewicht, Konzentrationsschwäche, Hyperaktivität und viele andere Probleme des menschlichen Körpers genannt.

Eines der meist gehörten Argumente ist: Zucker macht die Zähne kaputt! Handelt es sich um einen Mythos oder ist es wahr? Und wenn es nicht stimmen sollte, was macht dann Zucker mit den Zähnen?

Aufgrund vieler Gerüchte und Halbwahrheiten ist es wichtig, das komplexe Thema zu beleuchten und in den folgenden Zeilen aufzuklären. Somit haben auch Sie Gewissheit, ob und wie schädlich Zucker für die Mundhygiene ist.

Fakten über Zucker

Der übliche Haushaltszucker besteht überwiegend aus Saccharose und wird aus Zuckerrüben gewonnen. Das bereits 8000 v. Chr. In Polynesien angebaute Rohstoff wird heute hauptsächlich in Indien, Brasilien und Thailand zu Zucker verarbeitet. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch an Zucker in Deutschland liegt rechnerisch bei ca. 34 kg und ist damit immer noch 14 kg geringer als beim Weltmeister Barbados.

Aufgrund der Steigerung des Zuckerkonsums um das Zwanzigfache innerhalb der letzten 150 Jahre wird Zucker als eine der Ursachen vermehrter Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, das metabolische Syndrom oder Diabetes mellitus gesehen. Um diesem Trend entgegenzusteuern, gab die WHO im Jahr 2015 die strenge Empfehlung heraus, täglich nicht mehr als 10 % der täglichen Nährstoffe aus Zucker zu sich zu nehmen. Im Hinblick auf die Vermeidung von Karies wurde diese Angabe auf 5 % revidiert.

Der Zucker und die Zähne

Es ist unumstritten, dass Zucker bei der Entstehung von Zahnkaries eine Mitwirkung hat.
Forscher des Universitätsklinikum in Freiburg veröffentlichten hierzu im Jahr 2018 eine Studie im Fachmagazin “Scientific Reports”. Sie wiesen nach, dass schon die tägliche Zunahme von 10 Gramm Zucker pro Tag die Mundflora substanziell verändert.

Hierzu haben Probanden drei Monate lang täglich fünfmal zwei Gramm Kandiszucker gelutscht. Am Ende der Zeit hatte jeder Teilnehmer eine geringere Anzahl unterschiedlicher Typen von Bakterien im Mund. Die Bakterienarten, die für die Entstehung von Karies verantwortlich sind, hatten sich überproportional vermehrt.

Jeder Deutsche nimmt im Schnitt 90 Gramm Zucker pro Tag zu sich. Da klingen 10 Gramm nicht viel. Das ist etwa so viel, wie in einer Apfelschorle enthalten ist.

Wie entsteht Karies durch Zucker?

Beim Konsum von Zucker wird dieser von sogenannten Streptococcus-Bakterien zersetzt. Diese sitzen im Zahnbelag. Dabei entsteht Milchsäure, eine Hydroxycarbonsäure. Sie ist verantwortlich für das Absenken des pH-Wertes im Mund.

Die Mundflora wird generell säuerlich und reagiert mit dem Kalzium aus dem Zahnschmelz. Dieser wird wegen der herausgelösten Mineralien instabil. Somit wird die Entstehung von Zahnkaries gefördert. Hier finden Sie Tips zur Erkennung und Vorbeugung von Karies.

Die Anhäufung der Streptococcus-Bakterien bei den Probanden aus der zuvor erwähnten Studie zeigt eindeutig, dass es nicht die einmalige übermäßige Menge an Zucker ist, die zu Karies führt.
Vielmehr begünstigt der Dauerkonsum von geringen Zuckermengen die übermäßige Anhäufung der Bakterien.
Darüber hinaus kann auch bei regelmäßigem Zuckerkonsum die Zahnkrankheit verhindert werden, wenn die Milchsäure nach dem Genuss durch das Putzen der Zähne entfernt wird.

Wie kann die Entstehung von Karies durch Zuckerkonsum verhindert werden?

Die einfachste Methode wäre, sich gesund zu ernähren und keinen Zucker zu sich zu nehmen. Damit wird der Anteil an Streptococcus-Bakterien auf einem normalen Niveau gehalten und eine übermäßige Milchsäureproduktion kann verhindert werden. Leider gibt es heutzutage nur noch wenig Nahrungs- und Genussmittel, die ohne den Rohstoffzusatz auskommt.

Das Nahrungsmittel hat die Eigenschaft gut zu konservieren und wird daher gern für eine lange Haltbarkeit z. B. auch bei Ketchup, Wurst oder Kartoffelchips zugesetzt.
Für eine ausgewogene Mundflora ist es daher zielführender, abwechslungsreiche Nahrung zu konsumieren. Weniger industriell hergestellte Lebensmittel und mehr natürliche Rohkost wie z. B. unbehandeltes Gemüse oder Nüsse sollten Bestandteil der täglichen Ernährung sein.

Statt Fruchtsäfte gehören ungesüßte Getränke wie Wasser oder Tee auf den Tisch.
Damit wird der regelmäßige Zuckerkonsum eingedämmt und der pH-Wert im Mund auf einem neutralen Level gehalten.
Für den Erhalt der Lebensqualität ist der totale Verzicht auf Süßigkeiten für viele Menschen undenkbar.

Daher ist es empfehlenswert, nach jedem Konsum von zuckerhaltigen Getränken oder Nahrungsmitteln immer die Zähne zu putzen. Zumindest aber sollte der Mund mit Wasser ausgespült werden, damit weniger Zuckerreste im Mund verbleiben.
Aus diesem Grund ist es übrigens in vielen asiatischen Ländern üblich, sich die Zähne nach jeder Mahlzeit zu putzen.

Das bedeutet mindestens dreimal am Tag und die Zahnbürste ist fester Bestandteil in jeder Handtasche.
Als Folge dessen haben asiatische Länder den geringsten Anteil der weltweit ca. 2,4 Milliarden Karies-Betroffenen zu verzeichnen.
Auf Bonbons oder Lutscher sollte wenn möglich ganz verzichtet werden.

Durch diese Art von Süßigkeiten wird den Zähnen dauerhaft Zucker zugeführt und die Milchsäure kann ungehindert den Zahnschmelz angreifen. Hier

Weitere Auswirkungen von Zucker auf die Zähne

Durch den fehlenden Schutz der Zähne werden auch andere Krankheiten wie z. B. Parodontitis gefördert. Diese permanente Entzündung des Zahnfleisches und der Zähne kann das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Lungenerkrankungen enorm erhöhen.
Grund hierfür sind Bakterien, die durch das Zahnfleisch in die Blutbahn geraten.

Diese können dann Herz und Lungen attackieren und diese wichtigen Organe schwächen.
Ein weiterer negativer Effekt von Parodontitis ist die Begünstigung von Zahnausfall.
Entzündetes Zahnfleisch führt zu dessen Rückbildung und zur Freilegung von Zahnhälsen.

Dadurch werden die Kauleisten instabiler für vertikale Kräfte. Die Zähne verlieren die Festigkeit und neigen zum Ausfall.

Welcher Zucker ist gefährlich?

Es ist unerheblich, ob es sich um Fruchtzucker, Saccharose oder auch Honig handelt.
Alle Arten von Zucker werden von den gleichen Bakterien abgebaut.
Sie führen damit zur Milchsäureproduktion und in Folge zur Begünstigung der Entstehung von Karies.

Wichtig ist es zu erkennen, in welchen Nahrungsmitteln Zucker ist und in welchen nicht. So ist z. B. bei dem in Werbespots oft benutzten gesunden Apfel enorm viel Fruchtzucker.
Auch in Fruchtjoghurts ist Zucker enthalten.

Schließlich gibt es noch die Lebensmittel ohne Zuckerzusatz. Hier sollten Sie verstärkt darauf achten, ob nicht ein anderer Süßstoff enthalten ist. Ist dies der Fall, ist der Effekt für die Förderung der Kariesbildung der gleiche wie bei üblich gezuckerten Nahrungsmitteln.

Schlussfolgerung

Zucker selbst schadet nicht den Zähnen. Er wird von Bakterien zersetzt und dessen Abfallprodukt, die Milchsäure, greift den Zahnschmelz an. Das fördert Karies und Parodontitis.

Dabei sind nicht die einmaligen großen Zuckermengen die Übeltäter. Vielmehr führt regelmäßiger Zuckerkonsum in geringen Mengen zur übermäßigen Vermehrung der gefährlichen Bakterien und zur Zerstörung der Zähne und des Zahnfleisches.

Da Zucker als Konservierungsstoff in vielen Lebensmitteln enthalten ist, hilft gegen die Entstehung von Zahnkrankheiten nur das sofortige Putzen oder wenigstens Spülen der Beißer nach dem Genuss. Besser jedoch ist eine Reduktion des Zuckerkonsums durch ausgewogene Mahlzeiten mit viel natürlichem Gemüse, Rohkost oder Nüssen.

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